Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) Meisterhaftes männliches Porträt eines wohlhabenden Bürgers, ihm zugeschrieben.
Öl auf Leinwand. Maße: ca. 74 x 63 cm.
Motiv: Männliches Halbporträt, eine Figur in Biedermeier-Mode gekleidet, mit braunem Samtanzug und schwarzem Seidenhemd; die Hände verschränkt, geschmückt mit einem Diamantring, neutraler Hintergrund.
Datierung: Wien, von 1835 bis 1840. Auf der Leinwand des Gemäldes befindet sich auf der Rückseite der Stempel der Firma „W. Coller & C., Wien Mariahilfe 9“ mit dem Datum 1835, im Zentrum von Wien, damals ein dokumentierter Lieferant von Malmaterialien im frühen 19. Jahrhundert. Es ist belegt, dass Ferdinand Georg Waldmüller Leinwände und Materialien von dieser Firma bezog, wie aus Archivstudien über seine Tätigkeit hervorgeht. Kürzlich ist im Auktionshaus Im Kinsky in Wien ein weiteres Gemälde von Waldmüller aufgetaucht, das denselben Stempel auf der beim selben Händler der damaligen Zeit gekauften Leinwand aufweist (Auktion Gemälde des 19. Jahrhunderts vom 6.12.2022, Los 242).
Stilistische Analyse / Studien und Weg der Zuschreibung
Das Gesicht weist eine sehr feine Modellierung des Inkarnats auf, mit sehr weichen Tonübergängen und dem Fehlen scharfer Konturen, typisch für Waldmüllers reifen Stil in den 1830er Jahren.
Die Augen sind mit äußerster Sorgfalt behandelt; die helle und klar definierte Iris, das präzise platzierte reflektierende Licht, der kugelförmige Effekt, der durch subtile Transparenzen erzielt wird.
Die Lippen zeigen eine weiche Linie, wobei die Unterlippe etwas stärker ausgeprägt ist, was mit zahlreichen ähnlichen Porträts des Malers übereinstimmt.
Das Haar ist mit einer fast mikroskopischen Detailgenauigkeit behandelt, die durch den gekonnten Einsatz von Lichtreflexen und weichen Schatten glänzend wirkt. Waldmüller war bekannt für diese fast „hyperrealistische“ Herangehensweise an die Wiedergabe von Oberflächen, insbesondere von Haut und Haaren.
Leuchtkraft und Farbe: Auch die Farbpalette, die warme und sanfte Töne mit großer Natürlichkeit ausbalanciert, ist typisch und verwandt mit anderen Werken von Waldmüller. Beachten Sie, wie das Licht in den Locken das Volumen betont, mit einer raffinierten Behandlung der Tiefe.
Psychologisches Merkmal und Haltung: Die Gelassenheit, der direkte, aber nicht starre Blick und die elegante, aber nicht idealisierte Haltung sind ebenfalls typische Merkmale der Porträts, die von Waldmüller in dieser Zeit signiert oder ihm zugeschrieben werden.
Punkte, die die Zuschreibung weiter bekräftigen:
1. Gesicht und Inkarnat: Das perlmuttartige, definierte, aber weiche Inkarnat ist charakteristisch für Waldmüller, wie in vielen seiner jungen Porträts zu sehen ist, einschließlich seines jungen Selbstporträts im Kunsthistorischen Museum.
2. Haare und Bart: Die grafische und detaillierte Wiedergabe der Haare und insbesondere der Koteletten ist der, die Waldmüller in den Porträts zwischen 1828 und 1835 verwendet, äußerst ähnlich.
3. Drapierung und Hände: Die verschränkten Hände und die Falten der Jacke haben eine fast skulpturale plastische Qualität, die auch in den Porträts von Figuren des Wiener Bürgertums zu finden ist, die er angefertigt hat.
4. Einstellung und Pose: Die stolze, aber maßvolle Pose ist verwandt mit der, die Waldmüller in den männlichen Porträts einnimmt, in denen das Subjekt frontal oder in Dreiviertelansicht dargestellt wird, wobei der Psychologie Aufmerksamkeit geschenkt wird.
All diese Merkmale erinnern direkt an andere sichere Werke des Meisters, darunter die zum visuellen Vergleich herangezogenen, die auf der Seite unserer Website unter dem Link am Ende der Seite sichtbar sind.
Hinweise: Die Leinwand wurde im unteren Teil in der Vergangenheit leicht in der Höhe reduziert, wahrscheinlich um sie an einen Rahmen anzupassen. Es ist wahrscheinlich, dass sich im enthaltenen unteren Teil des verlorenen Gemäldes die Signatur des Autors befand. Waldmüller signierte üblicherweise am unteren rechten Ende der Gemälde. Dieses Element stärkt die Zuschreibung.
Erhaltungszustand: Sehr gut, Werk ohne nennenswerte Restaurierungen. Minimale Korrekturen von begrenzten Farbverlusten in peripheren Teilen, die mit UV-Reflektografie gut sichtbar sind. Verlust eines kleinen Teils an der unteren Seite des Gemäldes, der wahrscheinlich die Signatur enthielt.
Bibliographie und Referenzen „Ferdinand Georg Waldmüller – Leben und Werk“, hrsg. Österreichische Galerie Belvedere Dorotheum-Kataloge, Sitzungen 2015–2024, Gemälde des österreichischen Biedermeier Archive über Wiener Lieferanten von Materialien für die Malerei (W. Coller & C., Wien)
Abschließende Betrachtungen. Angesichts der stilistischen, technischen und materiellen Beweise wird die Zuschreibung an Ferdinand Georg Waldmüller als höchstwahrscheinlich angesehen, wobei eine Unsicherheit vermutlich nur auf die Möglichkeit eines Werks beschränkt ist, das in seinem unmittelbaren und direkten Umfeld oder seiner Werkstatt entstanden ist.
Ferdinand Georg Waldmüller, Biografie
Er wurde 1793 in der Nähe von Wien, in der Stadt Hinterbrühl, geboren. Er gilt als einer der wichtigsten österreichischen Maler der Biedermeierzeit. Er verließ das Elternhaus im zarten Alter von 14 Jahren und studierte an der Akademie in Wien. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Miniaturporträts und ab 1811 als Zeichenlehrer im Haus des Grafen Gyulay in Agram in Zagreb, Kroatien, das damals zum österreichisch-ungarischen Reich gehörte. Er heiratete als erste Ehefrau die Hofopernsängerin Katharina Weidner.
Das Paar lebte dann in Baden bei Wien und später in Brünn und Prag in Böhmen, wo Waldmüller bis 1817, dem Jahr seiner Rückkehr nach Wien, für die Theater dieser Städte als Bühnenbildner und Bühnendekorateur tätig war. Hier widmete sich Waldmüller hauptsächlich der Porträtmalerei und erhielt zahlreiche Aufträge von reichen Bürgern und Aristokraten der damaligen Zeit.
Waldmüller unternahm auch mehrere Studienreisen nach Italien und Paris und hielt sich auch in der Region Salzkammergut (in der Nähe von Salzburg) auf, um seine naturkundlichen Studien zu vervollständigen.
1830 wurde er zum Kurator der Gemäldesammlung der Akademie in Wien ernannt, wo er als Professor lehrte. Das goldene Zeitalter der Porträtmalerei Waldmüllers war in den 1830er Jahren.
Später widmete er sich zunehmend Genreporträts und Landschaftsbildern. Waldmüller hatte großen internationalen Erfolg mit einer Ausstellung im Buckingham Palace in London im Jahr 1856. Aufgrund unterschiedlicher Meinungen verlor er jedoch 1850 seine Stelle als Lehrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Aufgrund der daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten war er gezwungen, alle seine Gemälde zu versteigern und in dem von seiner zweiten Frau, Anna Bayer, geführten Modesalon zu arbeiten.
Schließlich wurde er von Kaiser Franz Joseph als Lehrer rehabilitiert und sein Gehalt wiederhergestellt. Zu Waldmüllers wichtigsten Schülern gehören Anton Romako, Hans Canon, Michael Zichy, Anton Ebert und Adam Brenner.
Er starb 1865 in einer Taverne in Mödling bei Wien nach einem Streit mit einem anderen Gast erstochen.
In Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Neuen Kodex für Kulturgüter stellt das verkaufende Unternehmen gleichzeitig mit dem Verkauf eine detaillierte schriftliche fotografische Garantie für die Originalität und Herkunft der verkauften Werke aus. Die Daten, mit denen die Werke beschrieben werden und die dann in den schriftlichen Garantien enthalten sind, sind getroffene Bestimmungen, die das Ergebnis sorgfältiger und dokumentierter technischer/historischer/künstlerischer Untersuchungen, einschließlich fachlicher Begutachtung, sind.