Nachfolger von Giambattista Tiepolo, 18. Jahrhundert
Das Gastmahl der Kleopatra
Öl auf Leinwand, 48 x 40 cm – Mit Rahmen, 67 x 59 cm
Das Thema des Gastmahls der Kleopatra stellt einen Höhepunkt im Schaffen von Giambattista Tiepolo (Venedig, 1696 – Madrid, 1770) dar, ein Sujet, dem sich der venezianische Künstler wiederholt widmete und das er zu einem Manifest der spätbarocken und Rokoko-Malerei machte. Die Erzählung ist von der berühmten Episode inspiriert, die Plinius der Ältere beschreibt, in der die Königin von Ägypten, um Marcus Antonius ihren immensen Reichtum zu beweisen, eine sehr seltene Perle in einem Becher Essig auflöst, um sie dann zu trinken. Tiepolo nutzt diesen historischen Vorwand, um ein Theater der Pracht, klassizistischer Architekturen und prunkvoller Kostüme zu inszenieren, die eher an das Venedig seiner Zeit als an das alte Ägypten erinnern. Die erste bedeutende Version stammt aus den 1740er Jahren, mit dem großen Ölgemälde auf Leinwand, das heute in der National Gallery of Victoria in Melbourne aufbewahrt wird (1743-44). In diesem Werk definiert Tiepolo die Kompositionsstruktur, die kanonisch werden wird: Kleopatra und Marcus Antonius sitzen sich gegenüber, getrennt durch einen gedeckten Tisch, während die monumentale Architektur im Hintergrund, die von Loggien und korinthischen Säulen geprägt ist, dem Ereignis einen feierlichen und fast theatralischen Ton verleiht. Das klare Licht und die brillante Farbpalette betonen die dramatische Geste der Königin, die die Perle über dem Kelch hält. Kurz darauf schuf Tiepolo eine zweite Version, heute im Musée Cognacq-Jay in Paris, die kleiner ist und eine intimere Atmosphäre hat, fast eine vorbereitende Skizze oder eine Variante für einen Privatsammler. Der Höhepunkt dieser ikonografischen Forschung ist jedoch das spektakuläre Fresko im Palazzo Labia in Venedig (1746-47), auf dessen Modell sich die hier präsentierte Leinwand bezieht, die höchstwahrscheinlich von einem Anhänger des Meisters geschaffen wurde, der sie aus erster Hand gesehen hatte. Hier ist die Bankettszene in ein komplexes System architektonischer Quadrate integriert, die von Gerolamo Mengozzi Colonna geschaffen wurden. Kleopatra nimmt das Aussehen einer venezianischen Adligen des 18. Jahrhunderts an, und die Integration von Malerei und realem Raum des Salons verwandelt den Betrachter in einen Augenzeugen des Mahls. Der Einfluss dieser Kompositionen war unter den Anhängern immens, die das Modell in ganz Europa verbreiteten und vor allem Tiepolos Fähigkeit übernahmen, große Figurenansammlungen in offenen Räumen zu organisieren, wobei sie den szenografischen „Grand Goût“ Tiepolos imitierten, der die architektonische Präzision palladianischer Herkunft mit einer beispiellosen chromatischen Freiheit verband. Das vorliegende Gemälde fängt die Essenz des monumentalen venezianischen Freskos ein und überträgt seine Theatralik in eine kompaktere Dimension, fast wie ein kleines Modell, aber mit ebenso lebendigem Charakter. Während im Palazzo Labia die Quadrate von Colonna die Fresken in den realen Raum des Raumes integrieren, reproduziert der Künstler hier dieselben Scheinarchitekturen innerhalb der Grenzen der Leinwand und schafft so eine Art „Gemälde im Gemälde“, das den ursprünglichen perspektivischen Effekt nachahmt. Der Pinselstrich erscheint hier schnell, locker und leuchtend, typisch für Tiepolos Reife, der die Farbe mit einer Freiheit auftrug, die dem neuen modernen Geschmack vorauseilte.
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