Carlo Antonio Procaccini (Bologna, 1571 – Mailand? nach 1628)
Tobias und der Engel in einer Flusslandschaft
Öl auf Holz, 38 x 57 cm
Kritische Zusammenfassung Prof. Alberto Crispo
Das Öl auf Holz Tobias und der Engel in einer Flusslandschaft ist ein Werk von Carlo Antonio Procaccini, einem Künstler, der sich innerhalb der berühmten Malerfamilie bolognese Herkunft eine besondere Rolle sichern konnte. In dieser Tafel wird die biblische Episode in einen reichen und detaillierten natürlichen Kontext eingefügt, wo ein Wasserlauf ruhig neben einer Mühle fließt, während verschiedene kleine Randfiguren die ländliche Szene beleben. Das Thema stammt aus dem Buch Tobit: Der junge Tobias, der von seinem blinden Vater gesandt wurde, um eine Schuld einzutreiben, wird vom Erzengel Raphael begleitet und beschützt, der seine göttliche Identität unter der Gestalt des Sterblichen Asarja verbirgt. Der Kern der Erzählung, der hier durch den Weg der beiden Protagonisten am Ufer evoziert wird, gipfelt in der Episode des im Fluss Tigris gefangenen Fisches. Nach den Anweisungen des Engels bewahrt der junge Mann die Eingeweide zu magischen Zwecken auf; gerade die Galle des Fisches wird nach Abschluss der Reise wundersamerweise dem Vater die Sicht zurückgeben und so den Erfolg der von der Vorsehung geführten Mission besiegeln. Der Autor dieser Tafel, Carlo Antonio Procaccini, wurde 1571 in Bologna geboren: Er wurde unter der Anleitung seines Vaters Ercole und an der Seite seines älteren Bruders Camillo ausgebildet und zog 1587 mit seiner Familie nach Mailand. Seine Karriere nahm innerhalb der Werkstatt eine bestimmte Richtung an: Während sich Camillo und der jüngere Bruder Giulio Cesare erfolgreich der Historienmalerei und großen Altarbildern widmeten, spezialisierte sich Carlo Antonio auf die sogenannten kleineren Genres, nämlich Stillleben und Landschaften mit sakralen oder mythologischen Szenen. Diese Wahl war kein Zufall, sondern Teil einer präzisen Familienstrategie, die darauf abzielte, den Mailänder Kunstmarkt zu beherrschen und jede Art von Auftrag abzudecken. Seine Sensibilität führte ihn dazu, nordeuropäischen Modellen mit äußerstem Interesse zu folgen, insbesondere den Werken von Jan Brueghel und Paul Bril, deren Einflüsse sich in der beschreibenden Detailgenauigkeit und der atmosphärischen Stimmung seiner Hintergründe widerspiegeln. Die Zuschreibung des Gemäldes an Procaccini findet durch den Vergleich mit anderen gesicherten Werken seiner Produktion solide stilistische Bestätigungen. Man kann die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten aus einer Privatsammlung zitieren, wo menschliche Figuren mit derselben Handschrift modelliert sind und eine völlig überlagerbare Auffassung der Landschaft zu finden ist. Ebenso zeigt die Taufe Christi, ebenfalls aus einer Privatsammlung, dieselbe Meisterschaft bei der Wiedergabe des Wassers, bei der Definition der bewölkten Himmel und bei der Skizzierung der zarten Silhouetten der Charaktere, Elemente, die im hier analysierten Tobias kohärent wiederkehren.
Carlo Antonio war an wichtigen Bauvorhaben wie dem von Lainate und dem Castello Visconti in San Vito in Somma Lombardo beteiligt und arbeitete oft mit seinen Verwandten zusammen, indem er die Landschaftsteile ihrer Leinwände ausführte. Sein Ruhm bei den Sammlern der damaligen Zeit war außergewöhnlich, wie die ständige Präsenz seiner Werke in den prestigeträchtigsten lombardischen und savoyischen Gemäldesammlungen zeigt. Durch dieses Gemälde wird somit die Figur eines Malers deutlich, der in der Lage war, die emilianische akademische Tradition mit der neuen flämischen naturalistischen Sensibilität zu verschmelzen und Bilder von großer Ausgeglichenheit und zarter visueller Poesie zu schaffen.