Marcantonio Mainardi (Cremona, ca. 1570 – 1629)
Kreuzigung mit Magdalena und einem Franziskanermönch
Öl auf Leinwand, 93 x 57 cm
Kritische Darstellung von Prof. Alberto Crispo
Das vorliegende Gemälde stellt ein bisher unveröffentlichtes Zeugnis der Malerei aus Cremona zwischen dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert dar. Obwohl das Gemälde stilistische Merkmale aufweist, die denen von Andrea Mainardi, genannt il Chiaveghino, sehr ähnlich sind, ermöglicht die Analyse der malerischen Ausführung die Zuordnung des Werkes zu seinem Neffen Marcantonio Mainardi (Cremona, ca. 1570 – 1629). Im Vergleich zum Meister seines Onkels zeigt Marcantonio hier eine weniger feine Ausführung und eine Vorliebe für üppigere Formen. Besonders hervorzuheben ist eine plastische Hervorhebung der Körper und eine schematische Darstellung der Faltenwürfe, die sich punktuell in seinen anderen Werken wiederfinden, wie dem Kruzifix und der Magdalena von Ospedaletto Lodigiano (gemalt zwischen 1598 und 1600) und der Madonna „Salus Populi Romani“ von Martignana di Po.
Marcantonio Mainardi wurde wahrscheinlich um 1570 in Cremona geboren. Als Sohn von Francesco Giuseppe, dem Bruder von Andrea Mainardi, wurde der junge Marcantonio von seinem Maler-Onkel ausgebildet und wohnte bei ihm. Seine Tätigkeit ist seit 1591 dokumentiert und setzt sich mit wichtigen Aufträgen fort, wie dem Heiligen Georg und dem Drachen von Casalbuttano (1593) und der Dekoration der Hieronymitenabtei von Ospedaletto Lodigiano (1598–1600). Im Jahr 1610 schuf er die Übergabe der Kasel an den Heiligen Ildefons in Casalmorano und 1626 das Martyrium der Heiligen Katharina in Antegnate. Er starb 1629 und hinterließ einige unvollendete Werke in Polengo.
Die Mainardis stellen einen Eckpfeiler der Cremoneser Schule dar, indem sie als die wichtigsten Erben und Fortsetzer des Meisterwerks von Bernardino Campi fungieren. Durch Andrea's Lehre bei Campi wusste die Werkstatt der Mainardi die Eleganz der Spätrenaissance in die strengen Anforderungen der Gegenreformation zu überführen. Hatte Bernardino Campi eine formale Grazie mit Raffaelesque-Anklängen eingeführt, so entwickelte Marcantonio – wie diese Leinwand zeigt – seine Lehre zu einer größeren volumetrischen Betonung und plastischer Robustheit weiter und festigte einen Stil, der bis in die ersten dreißig Jahre des 17. Jahrhunderts die Referenz im Gebiet blieb.
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