Zugeschrieben Giovanni da Nola, bürgerlich Giovanni Merliano oder Marigliano (Nola, 1488 – Neapel, 1558)
Skulptur aus geschnitztem und polychrom gefasstem Holz (53x67 cm), erste Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Die als „Schmerzerfüllt“ in einer Darstellung der Klage um den toten Christus identifizierbare Figur stellt mit intensiver Ausdruckskraft eine der frommen Frauen (wahrscheinlich eine Maria) in einer Haltung tiefer emotionaler Anteilnahme dar; die grüne Tunika, die in der Taille mit einem Gürtel zusammengehalten wird, wird von einem braunen Umhang überlagert, während ein weites weißes Tuch das Gesicht umrahmt und mit linearen Falten entlang der Hüften herabfällt.
Die psychologische Prägung ist typisch für Mariglians Stil: Der Schmerz wird nicht herausgeschrien, sondern in einer gefassten „Manier“ sublimiert, mit weit aufgerissenen Augen in einem Ausdruck des fassungslosen Entsetzens und den geöffneten Lippen, die ein gedämpftes Stöhnen andeuten.
Formal zeigt die Skulptur eine enge affektive Verwandtschaft mit der Holzproduktion des Meisters in seiner Reifezeit; der engste Vergleich findet sich in der kürzlich restaurierten Heiligen Katharina von Alexandrien (Kirche San Francesco, Padula), mit der sie die plastische Wiedergabe des Gesichts und die eigentümliche Bearbeitung der Stoffe teilt.
Das Werk fügt sich vollständig in die neapolitanische Klassik der frühen Cinquecento ein, vermittelt durch die Lehren toskanischer und römischer Meister, deren bedeutendster Interpret Giovanni da Nola war.