Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg-Hannover (1673-1742), Tochter von Johann Friedrich, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, und von Benedetta Enrichetta, Prinzessin von der Pfalz, war die Schwester von Charlotte Felicitas (1671-1710), die 1696 Herzog Rinaldo d’Este heiratete, den jüngsten Sohn von Francesco I., nachdem dieser 1695 die Kardinalswürde niedergelegt hatte, um die Kontinuität der Dynastie zu sichern.
Die Heirat mit Charlotte erlaubte den Este-Herzögen, prestigeträchtige verwandtschaftliche Beziehungen mit dem Kaiserhaus von Österreich zu knüpfen. Tatsächlich heiratete 1699 ihre Schwester Wilhelmine Amalie, die seit 1697 mit ihrer verwitweten Mutter in der Residenzstadt Este lebte, am Hof von Modena Joseph, Sohn von Kaiser Leopold I. von Habsburg, seit 1690 Römischer König, in einer prächtigen Zeremonie, bei der der Bräutigam durch seinen Schwager Rinaldo vertreten wurde.
1705 bestieg Joseph den Kaiserthron als Joseph I.
Bereits 1697 hatte der Niederländer Jan Frans Douven im Auftrag von Kaiser Leopold zwei Porträts von Wilhelmine Amalie angefertigt, eines stehend in Lebensgröße und ein kleineres, um das Aussehen der zukünftigen Braut kennenzulernen. Und 1699 hatte auch der Hofmaler Francesco Stringa die Prinzessin vor ihrer Abreise porträtiert. Dies geht aus den Forschungen von Gabriella Guandalini hervor, die in dem ovalen Porträt im Museo Civico d’Arte in Modena die Züge von Wilhelmine Amalie erkannte (siehe G. Guandalini, Verzeichnis Nr. 48 in Mostra di opere restaurate. Secoli XIV-XVIII, Ausstellungskatalog, Palazzo dei Musei, Modena 1980, S. 76-77, zitiert in M. Canova, Verzeichnis Nr. 233, in Musei Civici di Modena. I dipinti antichi, hrsg. von D. Benati, L. Peruzzi, Modena 2005, S. 234-235).
Dieses Porträt von Wilhelmine Amalie, ebenso wie das im Museo Civico (Foto 1) und das andere im Palazzo Carandini in Modena, ehemals im Besitz der Marquise Carandini (heute Banco San Geminiano e San Prospero-BPV), folgt der offiziellen Ikonografie der Radierung von Elias Christoph Heiss (1660-1739) (Foto 2).
Auch der Vergleich mit dem Porträt der Kaiserin in der Schönbrunner Residenz in Wien, das der Werkstatt von Martin van Meytens (1695-1770) zugeschrieben wird (Foto 3), ist interessant.
Graziella Martinelli Braglia
Öl auf Leinwand
Abmessungen: (82 x 65) cm; maximale Höhe 113 cm