Orazio Fidani (Florenz 1610 - Florenz 1656)
Der heilige Hieronymus in der Buße
Öl auf Leinwand
61 x 44 cm
Das schöne Gemälde stellt eine Bereicherung des Katalogs des Malers Orazio Fidani dar. Der Schüler von Bilivert, ebenfalls ein Florentiner, der in Rom und Florenz tätig war und von dem er die Vorliebe für Themen von inniger Religiosität übernahm, die durch gedämpfte Farben gekennzeichnet und in sanfte Halbschatten getaucht waren, orientierte sich Fidani an einem Naturalismus mit weichen und romantischen Zügen, nicht ohne Beziehungen zu Furini, vor allem in der verschwommenen und einhüllenden Hell-Dunkel-Malerei.
Unser Werk, dessen Stil durch Lebendigkeit und flinke Pinselführung sowie eine warme Farbpalette gekennzeichnet ist, die von den braun-grünen Hintergrungstönen über die Rosatöne der Haut bis zum leuchtenden und changierenden Rot des auf dem Boden liegenden Mantels zusammen mit dem Kardinalshut reicht, steht in der Tat im Einklang mit der Produktion der sogenannten toskanischen Naturalisten, d. h. jener Maler, die ab den 1920er Jahren - bis zur Durchsetzung des Barock - aus dem Caravaggismus die Lehre des 'Natürlichen' zogen und diese in der Tradition der Florentiner Zeichnung veredelten. Das Ergebnis dieser Haltung sind Leinwände mit verschiedenen Themen, die, wie in diesem Fall, Persönlichkeiten darstellen, die in Landschaften eingebettet sind, die von einer üppigen, aber immer idealisierten Natur geprägt sind, wie die, in der unser heiliger Hieronymus platziert ist. Der Kirchenlehrer wird dabei erfasst, wie er sich mit dem Stein, den er in der Rechten hält, an die Brust schlägt; er kniet vor dem Kruzifix, das an einen Felsen gelehnt ist, nicht weit von den Bänden und dem Tintenfass, die auf Hieronymus' Überarbeitung der Vulgata und seine zahlreichen exegetischen Schriften hinweisen.
Oben links, in dem Lichtbündel, das die Figur trifft, erscheint die Trompete, mit der der Engel der Apokalypse das Jüngste Gericht ankündigt und so die Auseinandersetzung mit dem Tod anregt, dem Moment der Wiedervereinigung mit Gott, worauf als Memento mori auch der Schädel verweist, den der alte Büßer mit der Linken an sich drückt.