Geoffroy Dumonstier (zugeschrieben)
(Saint-Étienne-du-Rouvray 1500 - Paris 1573)
Die Nackten bekleiden
Feder
Maße: mm 95 x 185
Französischer Maler, Miniaturist und Zeichner, geboren in einer Künstlerfamilie, die hauptsächlich als Porträtmaler bekannt war. Gegen Ende der 1530er Jahre arbeitete er im Schloss Fontainebleau und wurde von den dort tätigen italienischen Künstlern beeinflusst: Antonio Fantuzzi (Trient 1510 - 1570), Rosso Fiorentino (Florenz 1494 - Fontainebleau 1540) und Francesco Primaticcio (Bologna 1504 - Paris 1570).
Die Szene spielt sich im Freien ab und ist in einem Oval geschlossen. Von rechts blickt hinter einer Säule ein älterer Mann hervor, der sich auf seinen Stock stützt und die Szene beobachtet. In der Mitte sehen wir zwei Chorherren, die anscheinend vor einem Gebäude stehen und einem Mann mit dem Rücken zu uns ein Bündel Kleidung reichen. Er wirkt alt und bescheiden und stützt sich auf einen Stock. Hinter ihm kommentieren zwei Figuren, darunter ein Krüppel, anscheinend die Szene. Im Vordergrund zwei Kinder: Eines, in Lumpen gekleidet, streckt die Arme nach den Kleidern aus und scheint vor Freude zu schreien. Die Figuren werden nur durch die Umrisslinien der Feder beschrieben, die Verwendung von Aquarellfarbe in den Schattenbereichen ist spärlich. Die Figuren sind langgestreckt, offensichtlich manieristisch, die Profile weich und charakteristisch. Das Thema könnte als eine Darstellung des Werks der Barmherzigkeit interpretiert werden: die Nackten bekleiden. Das Oval als Studie für einen Freskenzyklus innerhalb von kunstvollen Stuckrahmen. Wir schlagen vor, die alte Zuschreibung an Dumonstier beizubehalten, da die Einflüsse der französischen Künstler, die im Schloss Fontainebleau ausgebildet wurden, offensichtlich sind. Wir fühlen uns jedoch nicht in der Lage, seine Hand mit absoluter Sicherheit zu erkennen. Tatsächlich lassen bestimmte physiognomische Merkmale zusammen mit der Verwendung der Feder ohne Schattierungen beispielsweise an das kremoveische Umfeld des 16. Jahrhunderts denken. Beide wurden jedoch vom Genie Parmigianinos beeinflusst.
Ausgezeichneter Erhaltungszustand mit Ausnahme eines Flecks im zentralen Bereich des Motivs.
Das Blatt wird in der typischen Rahmung der Sammlung Carlo Prayer (Mailand 1826-1900) aufbewahrt. Unten rechts und links Stempel der Sammlungen Giuseppe Vallardi (1784-1863) L.1223 und Carlo Prayer (1826-1900) L.2044. Auf der Rückseite Katalogisierung in Handschrift des 17. Jahrhunderts in Rötel F 503 und modernere Katalogisierung mit Bleistift n 41.