GIOVANNI PAOLO CASTELLI, lo SPADINO
(Rom, 1659 - ca. 1730)
Stillleben
Öl auf Leinwand, 132x95 cm
Die äußerst dekorative und szenografische Ader, die ein besonderes Merkmal des römischen Stillleben-Genres im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts darstellt, wird von Spadino in dem vorliegenden Pendant in reichen und komplexen Variationen zum Ausdruck gebracht; in der fruchtbaren Spur, die in Rom von dem Flamen Abraham Brueghel gezogen wurde, aber auch den raffinierten Anregungen der französischen Meister folgend, sowie unter Bezugnahme auf die lokale Schule, insbesondere Michelangelo da Campidoglio, schafft der Maler lebhafte und barocke Kompositionen aus Früchten, Blumen und „festen“ Objekten.
Der fast theatralische Ton wird durch den architektonischen Raum gegeben, der als Hintergrund im ersten Gemälde ausgearbeitet ist, aber auch durch das prächtige Tuch, das die Elemente des zweiten Gemäldes von oben links einrahmt; der Reichtum und die Vielfalt der Farben sowie die Lichteffekte auf der Oberfläche der Weintrauben verstärken das Bild im rein barocken Sinne.
Das glänzende Metallgeschirr, das mit fantasievollen und abwechslungsreichen Formen interpretiert wird, die reich verzierte Uhr im Hintergrund des ersten Gemäldes erscheinen alle Elemente von franko-flämischer Herkunft, ebenso wie die minutiöse, analytische Definition der floralen Elemente, die den Lösungen eines anderen zeitgenössischen nordischen Meisters in der Urbs, des Tamm, nahekommen.
Ein besonderes Merkmal von Spadino ist hingegen die Farbwiedergabe, die immer reich und
pastos ist, aber in einigen Passagen völlig materiell erscheint und die Aufmerksamkeit auf die „volumetrische Dicke“ weiter verstärkt, die im Laufe des 17. Jahrhunderts dazu neigt, die italienischen Meister von den flämischen zu unterscheiden; erwähnenswert ist auch ein besonders modernes Fragment im zweiten Gemälde für die fast skizzenhafte Definition: die auf dem rechten Rand gemalte Vasen-Karaffe.
Giovanni Paolo Castelli, lo Spadino