Werkstatt Santa Maria della Scala (Mitte des 16. Jahrhunderts), Kassette
Beschreibung:
Werkstatt Santa Maria della Scala (Mitte des 16. Jahrhunderts)
Kassette
Nussholz mit Knocheneinlagen, 41 x 68 x 34 cm
Diese kleine Nussholzkassette aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist ein wertvolles Beispiel für die raffinierte lombardische Ebens traditions, die im Mailand des 16. Jahrhunderts ein fruchtbares Zentrum fand. Die quaderförmige, kompakte Struktur ruht auf vier eleganten, fein geschnitzten Löwenfußfüßen. Die gesamte Außenfläche ist mit einem dichten Sternenmuster bedeckt, das durch feine Intarsien von Knochenfragmenten im warmen Braun des Nussbaums erzielt wird: Der Farbkontrast zwischen den beiden Materialien erzeugt eine äußerst raffinierte dekorative Wirkung und belebt das Holz mit einem regelmäßigen geometrischen Rhythmus. Der obere Rand, durch eine Reihe kleiner Knochenpunkte gegliedert, rahmt das Hauptpaneel ein und verleiht dem Objekt ein Gefühl formaler Vollständigkeit. In der Mitte der Vorderseite befindet sich ein kleines Metallschloss, das einzige sichtbare Funktionselement, das die ursprüngliche Bestimmung des Stücks bezeugt: die Aufbewahrung wertvoller Gegenstände, Schmuckstücke oder vertraulicher Dokumente.
Diese Kassette ist mit ziemlicher Sicherheit derselben Werkstatt zuzuordnen, die in der Kirche Santa Maria della Scala tätig war, der berühmten Mailänder Pfarrkirche, die 1776 abgerissen wurde, um Platz für das von Giuseppe Piermarini entworfene Teatro della Scala zu schaffen. Diese Werkstatt war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tätig und hinterließ als beeindruckendstes Zeugnis die Gesamtheit der neunzehn Chorgestühle aus Nussholz, die heute in der Kirche San Fedele aufbewahrt werden, wohin sie bei ihrem Abriss gebracht wurden. Der Chor, der um 1560 fertiggestellt und stilistisch Anselmo de' Conti zugeschrieben wird, zeigt die gleiche technische Beherrschung wie die Kassette: geometrische Muster, Verzierungen aus Knochen und Perlmutt, Intarsien, die in den oberen Paneelen Ausschnitte eines idealen und antiken Mailand mit Bögen, Pyramiden, Flüssen und Architektur im klassischen und mittelalterlichen Stil darstellen. Die kleine Kassette teilt mit dem Chor dieselbe dekorative Grammatik – der Stern als wiederholtes Modul, das feine Knochenfragment als Lichtelement im dunklen Holz – und zeugt von der Kontinuität einer Handwerkssprache auf höchstem Niveau.