Lombardei, 17. Jahrhundert, Kästchen
Beschreibung:
Lombardei, 17. Jahrhundert
Kästchen
Geschnitztes Nussbaumholz, 29 x 64 x 36 cm
Dieses exquisite, geschnitzte Nussbaumholzkästchen ist ein außergewöhnliches Beispiel lombardischer Handwerkskunst aus dem 17. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Werkstätten Norditaliens technische und formale Exzellenz in der Holzbearbeitung erreichten. Das rechteckige und großzügig dimensionierte Objekt hat einen flachen, überstehenden Deckel, der vollständig mit geschnitzten Paneelen mit geometrischen und floralen Motiven verziert ist, die in konzentrischen Rahmen angeordnet sind, umrahmt von einem reichen Eierstab- und Perlstabfries, der den gesamten Umfang durchläuft. Die Seiten des Hauptkörpers sind mit einem durchgehenden Band aus geschnitztem Flechtwerk verziert, das mit naturalistischen Motiven von großer Finesse belebt ist, während an den Ecken Dreiviertelfiguren von Putten oder Karyatiden aufragen, die geschickt geschnitzt und in die architektonische Struktur des Korpus integriert sind. Die Basis ruht auf einem Eierstabprofil, das dem Ganzen ein Gefühl monumentaler Solidität verleiht und den dekorativen Reichtum mit einer strengen architektonischen Gliederung klassizistischer Prägung ausgleicht. Das durch die Zeit dunkel gefärbte Nussbaumholz in einem tiefen und warmen Braunton gibt bei schrägem Lichteinfall die Qualität der Schnitzerei voll wieder und offenbart die außergewöhnliche Kunstfertigkeit der Handwerker, die es bearbeitet haben.
Die Produktion von geschnitzten Holzkästchen und Schatullen erlebte in der Lombardei im Laufe des 17. Jahrhunderts eine Blütezeit von großer Qualität und reihte sich in eine kunsthandwerkliche Tradition ein, die ihre Wurzeln in der Hochrenaissance hatte und sich durch die Arbeit spezialisierter Werkstätten in Mailand und Bergamo gefestigt hatte. Diese Objekte, die für aristokratische Auftraggeber und das reiche bürgerliche Handelsgewerbe bestimmt waren, erfüllten sowohl praktische Funktionen – die Aufbewahrung von Dokumenten, Schmuck, Kostbarkeiten – als auch eine klare repräsentative Funktion, die den raffinierten Geschmack und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Besitzers bezeugte. Die in diesem Exemplar verwendete dekorative Sprache mit ihrem Repertoire an Eierstäben, Perlstäben, klassischen Blattmotiven und winkelförmigen Menschenfiguren verweist direkt auf die Tradition lombardischer Schnitzereien manieristischer Herkunft, die im 17. Jahrhundert mit stärkerer Plastizität und einem dramatischeren Hell-Dunkel-Effekt im Einklang mit dem kulturellen Klima des Barock neu interpretiert wurde. Die lombardischen Werkstätten zeichneten sich durch ihre Fähigkeit aus, das formale Erbe des Manierismus des 16. Jahrhunderts mit den Anforderungen des neuen Geschmacks zu verbinden und Objekte von außergewöhnlicher materieller Qualität zu produzieren, die auch außerhalb der regionalen Grenzen zirkulierten.