Emilianische Schule, 18. Jahrhundert, Madonna mit Kind
Beschreibung:
Emilianische Schule, 18. Jahrhundert
Madonna mit Kind
Öl auf Leinwand, 40 x 31 cm
Rahmen, 54 x 44 cm
Das vorliegende Gemälde zeigt eine erlesene und intime Madonna mit Kind, im Halbfigurenformat und für die häusliche oder private Andacht gedacht. Das Werk fügt sich mit absoluter Kohärenz und formaler Stringenz in die Produktion der emilianischen – und speziell der Bologneser – Schule der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein, einer Zeit, in der das akademische Erbe Catinis sich hin zu Anmut und gedämpftem, arkadisch geprägtem Pathos entwickelte.
Die Komposition ruht auf einem Modell von außergewöhnlicher formaler Ausgewogenheit, das darauf abzielt, die Zärtlichkeit der Zuneigung und die Ausgeglichenheit der Figuren hervorzuheben. Der Gesten- und Haltungsvokabular ist im gebeugten Kopf der Jungfrau, der verkürzten Darstellung des Kindes und vor allem im ausdrucksstarken Detail von Jesu linkem Arm zu finden, der sich nach hinten streckt, um spontan den Saum des mütterlichen Schleiers auf ihrer Schulter zu ergreifen.
Die malerische Ausführung und die Farbsensibilität zeugen von einer ausgesprochen emilianischen Bildsprache. Der Duktus ist kompakt, weich und glatt, gelöst durch Chiaroscuro-Übergänge von äußerster feiner Modellierung, die die Hauttöne verblassen lassen, ohne harte plastische Kontraste zu erzeugen. Das makellose Oval der Jungfrau, der leichte Schatten, der ihre gesenkten Lider verhüllt, und die weiche, gewölbte anatomische Behandlung des Kindes rufen direkt die Bologneser klassizistische Tradition ins Gedächtnis, orientiert an den Modellen von Marcantonio Franceschini (1648-1729) und dem Kreis um Carlo Cignani, Meister, die das Erbe Reniens in Formen von puristischem und glasierterem Geschmack zu übersetzen vermochten.
Die Farbgebung, die auf der traditionellen Gegenüberstellung zwischen dem tiefen Blau des Mantels (dessen Faltenwurf monumentale, aber zugleich beherrschte Weiten sucht) und den dezenten Tönen des altrosafarbenen Gewands und des ockerfarbenen Schleiers basiert, trägt zur Schaffung einer Atmosphäre inniger Sammlung bei, frei von den theatralischen Steigerungen des Barock oder den pathetischen Übertreibungen anderer zeitgenössischer Schulen. Das Werk qualifiziert sich somit als bedeutsames Zeugnis jenes klassizistischen und eleganten Geschmacks, der den Weg der gemessenen Anmut und der idealen Zeichnung als höchstes formales Kriterium der Andachtsmalerei des Hochbarock wählte.