Antonio Zucchi (Venedig, 1726 – 1795), Paar galanter Szenen
Beschreibung:
Antonio Zucchi (Venedig, 1726 – 1795)
Paar galanter Szenen
Öl auf Leinwand, 31 x 40 cm
Mit Rahmen, 47 x 38 cm
Kritische Darstellung von Prof. G. Fiocco
Dieses Gemäldepaar veranschaulicht mit seltener bildnerischer Sensibilität zwei raffinierte galante Szenen im Freien, perfekte Ikonen der Genremalerei und Kostümmalerei des Zeitalters der Aufklärung. In der ersten Komposition wird die Aufmerksamkeit durch eine junge Frau gefesselt, die elegant in einem blauen Rock und einer bestickten Korsage gekleidet ist und zeremoniell schreitet, während sie einen in Blau und Dreispitz gekleideten Herrn an der Hand hält. Um sie herum sind weitere Adlige und Bedienstete in einem Garten angeordnet, der von einer monumentalen Barockhecke geschmückt wird. Die zweite Leinwand verlagert die Erzählung in eine ländlichere und arkadischere Dimension, die sich auf eine pastorale Idylle konzentriert, in der einige Mädchen in wallenden Kleidern und Hirten mit Stöcken sich in der Nähe eines klassischen Gebäudes und einer Reisekutsche amüsieren und die typische Atmosphäre französischer galanter Feste evozieren, die jedoch nach italienischem Geschmack gedeutet werden. Die raffinierte malerische Ausführung, die Palette warmer Töne und sanfter Hell-Dunkel-Übergänge, die theatralische Gestik und die gekonnte Schattenregie führen zur Zuschreibung der Autorschaft dieses wertvollen bildnerischen Skizzenbuchs an den berühmten venezianischen Meister Antonio Zucchi.
Antonio Zucchi wurde 1726 in Venedig geboren und bildete sich zunächst unter der Leitung seines Vaters Francesco und seines Onkels Carlo aus, bevor er seine Ausbildung in den Werkstätten berühmter Maler wie Jacopo Amigoni und Francesco Fontebasso vervollständigte und die Leuchtkraft und formale Eleganz des Lagunen-Rokoko aufnahm. Die entscheidende Wendung in seiner Karriere ereignete sich in den 1760er Jahren, als er zusammen mit dem berühmten schottischen Architekten Robert Adam eine Studienreise durch Italien unternahm, eine Partnerschaft, die ihn 1766 nach London führte. In England feierte Zucchi als Innenraumgestalter für die prächtigsten Residenzen des britischen Adels außergewöhnliche Erfolge und zeichnete sich durch seine Fresken und Leinwände zu mythologischen, allegorischen und klassischen Ruinenmotiven aus, die sich perfekt in Adams neoklassizistische Strukturen einfügten, so dass er 1770 in die prestigeträchtige Royal Academy of Arts gewählt wurde. 1781, nach seiner Heirat mit der berühmt-berüchtigten Malerin Angelica Kauffmann, entschied sich der Künstler für die endgültige Rückkehr nach Italien und ließ sich in Rom nieder, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1795 weiterhin für ein gebildetes und raffiniertes internationales Publikum tätig war und ein künstlerisches Werk hinterließ, das die venezianische dekorative Grazie wunderbar mit dem aufkommenden neoklassischen Stil verband.