Objektbeschreibung
Typ und Stil
Objekt: Spiegel mit Blattgoldauflage
Epoche: Mitte des 19. Jahrhunderts (vollendes 19. Jahrhundert), genauer datiert auf etwa 1850.
Stil: Louis-Philippe / Zweites Kaiserreich (Eklektischer Neobarock). Der Rahmen passt perfekt zum eklektischen Geschmack des 19. Jahrhunderts, der die Pracht des Barock und Rokoko neu interpretiert, aber durch eine solide und geometrische Haltung (die tragende rechteckige Struktur) typisch für die Louis-Philippe-Zeit gefiltert wird.
Strukturelle und dekorative Merkmale
Der Spiegel weist einen eindrucksvollen, reich geschnitzten und verzierten rechteckigen Rahmen auf:
Eckverzierungen: Die vier Ecken sind die plastisch wertvollsten Elemente. Sie weisen große stilisierte Muschelelemente (Rocaille) und breite Akanthusblattvoluten auf, die aus dem linearen Profil des Rahmens hervorstehen und eine starke chiaroscuro-Dynamik erzeugen.
Mittlere Elemente: In der Mitte der oberen, unteren und seitlichen Ränder sind zentrale Kartuschen (oder mittlere Aufsätze) in Form eines glatten, von kleinen Locken und pflanzlichen Motiven umrahmten Schildes angebracht, die die Linearität der Seiten durchbrechen.
Seitenleisten: Die Hauptleiste ist glatt und wulstig, innen durch eine Perlrandleiste mit kleinen Akanthusblättern begrenzt, die in direktem Kontakt mit der Spiegelkante stehen.
Herstellungstechnik: Geschnitztes und mit Gips veredeltes Holz, anschließend vergoldet. Die Vergoldung zeigt den typischen roten Bolusgrund, der an Verschleißstellen sichtbar ist und dem Gold Wärme verleiht.
Der Spiegel: Zeitgenössische Platte mit einer auffälligen handgefertigten Facettenschliff-Bearbeitung am Rand.
Analyse der Rückseite und des historischen Etiketts
Die Rückseite des Spiegels bietet wichtige Details zur Echtheitsprüfung und Herkunft des Stücks.
Tragstruktur: Die Rückseite ist durch eine Rückwand aus Massivholz verschlossen, die in horizontale Bretter unterteilt ist. Sie ist teilweise mit antikem, bedrucktem Papier in bordeauxroten/rostfarbenen Damastmustern verkleidet, ein typisches Element des Möbeldesigns des 19. Jahrhunderts zum Schutz des Spiegels vor Staub und Feuchtigkeit von der Wand.
Beschläge: Alte Befestigungshaken und originale Nägel sind sichtbar.
Fokus auf das Papierschild
Transkription: "Conte Antonio Du[...] [...]o 1850"
Das fragmentierte Papierschild, das direkt auf das Holz der Rückwand geklebt ist, stellt das historisch und sammlerisch interessanteste Element dar:
Angabe des Besitzers/Auftraggebers: Die Aufschrift weist klar auf die ursprüngliche Zugehörigkeit zu einer aristokratischen Sammlung hin, insbesondere auf Conte Antonio (der Nachname ist leider im letzten Teil, wo die Anfangsbuchstaben Du... zu lesen sind, teilweise lückenhaft und abgerieben).
Datierung: Die Anwesenheit des Datums 1850 in Tinte (wahrscheinlich zeitgenössisch oder kurz danach zur Inventarisierung) legt eindeutig den frühesten Zeitpunkt oder das Jahr der Herstellung/des Kaufs des Artefakts fest und bestätigt die stilistische Einordnung in die Louis-Philippe-Periode.
Erhaltungszustand
Rahmen: Insgesamt solide und mit gesunder Holzstruktur. Einige natürliche Risse und Sprünge auf der Gips- und Stuckschicht sind aufgrund natürlicher Holzbewegungen sichtbar. Es gibt kleine Fehlstellen in der Vergoldung, bei denen der Bolus durchscheint, was die richtige antike Patina verleiht.
Spiegel: Hervorragender Zustand für antikes Glas; die Oxidation ist begrenzt und beeinträchtigt die Reflexion der Platte nicht.
Abmessungen: 135 x 110 cm.
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