Dieses Möbelstück ist ein hervorragendes Beispiel für Ebenistenkunst aus der Zeit Napoleons III. (Zweites Kaiserreich, ca. 1852–1870), die den Stil Ludwigs XV. (französischer Rokoko) mit außergewöhnlichem Reichtum und philologischer Treue neu interpretiert.
Technische und beschreibende Daten
1. Typologie und Linie (Kommode „Tombeau“ oder „en Arbalète“)
Das Möbelstück weist sowohl auf der Vorderseite als auch an den Seiten eine stark geschwungene, bewegte Linie auf (dreidimensionale Wölbung). Die untere Zarge ist elegant im „Arbalète“-Profil (Armbrust) geformt, typisch für die raffiniertesten Kommoden des 18. Jahrhunderts. Sie steht auf vier schlanken und geschwungenen Beinen (Cabriole-Beine).
2. Struktur und Öffnung
Es handelt sich um ein Modell mit zwei Schubladen ohne sichtbare Traverse (sans traverse). Diese sehr komplexe Technik ermöglicht es, dass die Intarsien und die Holzmaserung gleichmäßig über die gesamte Frontfläche ohne visuelle Unterbrechungen verlaufen und wie eine einzige große Platte wirken.
3. Materialien und Intarsien
Furnier und Intarsie: Der Korpus ist prächtig mit Rosenholz furniert, das in Fischgrätmuster verlegt ist, um geometrische Kontraste zu schaffen, die das Licht einfangen.
Florale Dekorationen: Sowohl auf der Vorderseite als auch an den Seiten sticht eine äußerst raffinierte Intarsie mit floralen und pflanzlichen Motiven (Ranken, Blätter und Knospen) aus exotischen und gefärbten Obsthölzern hervor, die mit höchster malerischer Präzision ausgeführt wurde.
Marmorplatte: Das Möbelstück wird von einem originalen, dicken Marmor im „Gehrungsschnitt“ („becco di civetta“) gekrönt, der dem geschwungenen Umfang des Möbels treu folgt. Es handelt sich um einen wertvollen Broccatello di Spagna-Marmor, der für seine violetten, roten und gelben Schattierungen bekannt ist.
4. Vergoldete Bronzebeschläge
Die herausragende Qualität des Objekts zeigt sich im Reichtum der fein ziselierten Bronzegüsse:
Wichtige blattförmige Füßchen (Sabot) an den Beinen.
Üppige Eckfriese (Chutes), die entlang der Seitenleisten verlaufen und die geschwungene Linie des Möbels betonen.
Griffe in Form von großen, asymmetrischen Rokoko-Voluten und imposante Schlüsselbleche in der Mitte, die perfekt in das Intarsienmuster integriert sind.
5 Maße
127 x 63, Höhe 85 cm
Analyse der Stempelung: „PERINO“ und die Lilie
Das Foto des unteren Rahmenteils (unter dem Marmor) enthüllt zwei grundlegende Elemente für die Echtheit und Geschichte des Stücks:
Das Kaltstempel „PERINO“ im Holz: Im 19. Jahrhundert, insbesondere während der Zeit Napoleons III., erlebte die Kennzeichnung von Möbeln eine starke Wiederbelebung, die sowohl mit der stolzen Tradition der Zünfte des 18. Jahrhunderts als auch mit der Notwendigkeit, die Kreationen der großen Ateliers in Paris und Turin vor Nachahmungen zu schützen, verbunden war. Die Familie Perino (oder der einzelne Ebenist) gehört zu diesem engen Kreis von Meister-Ebenisten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätig waren. Insbesondere ist der Nachname stark mit dem hohen Ebenistenhandwerk in der subalpinen/piemontesischen Region (Turin) verbunden oder mit den Strömen italienischer Handwerker, die eng mit den Modellen der Pariser Meister zusammenarbeiteten.
Das Lilien-Emblem mit Buchstaben (CH...): Unter dem Nachnamen befindet sich ein Brandzeichen oder Stempel mit einer stilisierten Lilie, flankiert von Buchstaben (darunter scheint „CH“ lesbar zu sein). Diese Art von Punze bezieht sich in der Regel auf ein Herkunfts- oder Inventurzeichen: Sie könnte sich auf eine herzogliche/königliche Manufaktur, eine Kunstausstellung der Epoche oder die Kontrolle einer bestimmten autorisierten Zunft/Werkstatt beziehen, die die Qualität der Materialien, insbesondere der Bronzen oder des fertigen Kunstwerks, zertifizierte.
Wertbemerkung: Die Anwesenheit einer klaren und gut lesbaren Stempelung wie dieser erhöht das Sammlerinteresse an dem Objekt drastisch. Es handelt sich nicht um eine industrielle Produktion vom Ende des 19. Jahrhunderts, sondern um die exzellente Arbeit eines signierten Ebenistenateliers, das ursprünglich für eine Auftraggeberschaft des Bürgertums oder des Adels der damaligen Zeit bestimmt war.
Erhaltungszustand und Hinweise
Das Möbelstück weist eine außergewöhnliche Patina auf, die durch die Schellackpolitur verstärkt wird, die Intarsien sind fest, und die Bronzen zeigen die herrliche und warme Opazität von antischem, nicht chemisch poliertem Gold. Ein sehr repräsentatives Stück, das den eklektischen Prunk des französischen Zweiten Kaiserreichs verkörpert.
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