19. Jahrhundert
Lesepult
Geschnitztes und vergoldetes Holz, 51 x 47 x 43 cm
Die Vorderseite präsentiert sich als wahre architektonische Komposition: In der Mitte, in einer Bogenarnische, thront eine Weintraube, die mit großer Plastizität dargestellt ist und von Weinblättern flankiert wird. Das Weinmotiv, klassischen Ursprungs und von starker symbolischer Bedeutung – es evoziert Fülle, Weisheit und Spiritualität – fügt sich perfekt in das Dekorationsrepertoire des 19. Jahrhunderts im neoklassizistischen und neobarocken Stil ein. An den Seiten der Nische schmücken Rosettenmedaillons die zentrale Gliederung. Der obere Abschluss wird von einer eleganten Fächerform aus fein geschnitzten Akanthusblättern dominiert, die dem Ganzen Schwungkraft und Monumentalität verleihen. Die Basis des Lesepults ist mit einem Fries aus Pflanzen- und Blumenmotiven verziert. Auf der Rückseite offenbart der aufgebockte Stützmechanismus mit verstellbarem Querbalken eine solide und funktionale Konstruktion, die auf vier ebenfalls vergoldeten Beinen ruht. Die Mekka-Vergoldung – eine Technik, bei der eine transparente goldfarbene Lackschicht auf eine Silber- oder Zinnfolienbasis aufgetragen wird – verleiht dem Werk seine charakteristische bernsteinfarbene Wärme, die heute durch die Patina der Zeit bereichert wird. Ein wertvolles Stück, das höchstwahrscheinlich für einen liturgischen Kontext oder ein herrschaftliches Anwesen bestimmt war.