Maler der südlichen Adria, 16. Jahrhundert
Madonna mit Kind und die Heiligen Rochus und Sebastian
Öl auf Holz, 44 x 38 cm
Dieses Tafelbild aus dem 16. Jahrhundert ist ein bedeutendes Zeugnis der Andachtsmalerei der südlichen Adria. Es stellt eine Synthese zwischen der Feierlichkeit des byzantinischen Ostens und dem Naturalismus der westlichen Renaissance dar. Im Zentrum der Komposition steht die Madonna mit dem Kind. Die Jungfrau wird mit einem melancholischen Ausdruck dargestellt und ist nach postbyzantinischen Kanonen gekleidet, mit einer roten Tunika und einem dunklen Mantel, der mit feinen goldenen Lichtern besetzt ist, welche die Falten grafisch definieren. Das Kind, das auf dem Schoß seiner Mutter sitzt, beugt sich mit einer segnenden Geste dem Heiligen entgegen. An den Seiten stehen die Schutzheiligen gegen die Pest, Sebastian und Rochus: Der Erstere, links, erscheint an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt, mit einer bewusst schematischen und symbolischen anatomischen Darstellung. Der Letzte, rechts, trägt die typischen Pilgerattribute wie Stock und Muschel und zeigt auf die Pestbeule am Oberschenkel, um seine Rolle als sanitärer Fürsprecher hervorzuheben. Das Werk steht voll und ganz in der Tradition der dalmatinisch-kretischen Schule, einem Stil, der sich durch ausgeprägten Linearismus und die Verwendung warmer, erdiger Farben auszeichnet, die monumentale, aber fast zweidimensionale Figuren definieren, ohne venezianische Schlieren, aber mit starker kommunikativer Kraft. Diese künstlerische Produktion, die typisch für die Werkstätten an den Küsten Apuliens, Dalmatiens und der griechischen Inseln ist, zeigt, wie im 16. Jahrhundert eine universelle figurative Sprache fortbestand, die die verschiedenen Küsten der Adria verband und die Hierarchie des griechischen Icons mit der lateinischen Heiligen Erzählung zu einem Bild verschmolz, das für die spirituelle Beruhigung und den Schutz des Gläubigen bestimmt war.