Deutsche Schule, „Mädchenprofil mit rotem Band“, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Beschreibung:
Deutsche Schule, „Mädchenprofil mit rotem Band“
zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Öl auf Leinwand.
63x50 cm.
Zeitgenössischer Rahmen aus vergoldetem Holz. Maße mit Rahmen: 94x81cm.
Das Porträt, in einer Atmosphäre der Ruhe und Zurückhaltung, zeigt eine Frau, die elegant ihren Kopf nach rechts wendet. Ihre Aufmerksamkeit wird tatsächlich von etwas - oder jemandem - gefesselt, das sich außerhalb des Sichtfelds des Betrachters befindet.
Das gleichmäßige und diffuse Licht unterstreicht das Weiß der Haut und die Weichheit des weißen Stoffes, die durch den neutralen Hintergrund hervorgehoben werden. Das drapierte Kleid lässt die Schultern und den Hals unbedeckt und erinnert an ein Ideal neoklassizistischer Schlichtheit.
Die Frau trägt schlichte, aber wirkungsvolle Ornamente. Das dunkle, voluminös frisierte Haar wird von einem feuerroten Band zusammengehalten. Der Ohrring, ein Perlenanhänger, glänzt auf dem Teint und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich; Perlen waren ein Luxusgut, das aus dem Pazifischen Ozean importiert wurde.
Das Porträt ist in einer ovalen Form innerhalb einer rechteckigen Leinwand eingeschlossen. Dieses Format war äußerst beliebt für intime Porträts. Der Rahmen aus vergoldetem Holz, reich geschnitzt mit Volutenmotiven im Inneren und einem Akanthusblattmotiv im Äußeren, ist typisch für den prunkvollen Geschmack des späten 19. Jahrhunderts.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit großer Aufträge für private Porträts durch das deutsche Bürgertum. Das Gemälde spiegelt den typischen Geschmack der Zeit für eine idealisierte, aber nicht prunkvolle Darstellung der Motive wider. Das Bürgertum liebte es, sich in intimen und nachdenklichen Posen porträtieren zu lassen, in Werken von unaufdringlichem Realismus, aber ruhig und sauber, ganz im Biedermeierstil. Dieser Stil setzte die romantischen Tendenzen fort und kanalisierte sie, achtete auf die Persönlichkeit der Motive und betonte ihre Spiritualität.