Das Gemälde zeigt eine junge venezianische Frau aus dem Volk, die auf einer Steintreppe steht, eingefangen in einem Moment der Pause oder unmittelbar nachdem sie Wasser geschöpft hat. Die Ganzkörperfigur ist der Mittelpunkt der Komposition, eingerahmt von einer einfachen und schmucklosen Architektur, vermutlich dem Eingang eines Hauses oder einem venezianischen Innenhof.
Das Mädchen ist mit einem intensiven, fast melancholischen oder verträumten Ausdruck dargestellt, der Blick nach oben und leicht nach rechts gerichtet. Sie trägt die traditionelle Kleidung einer venezianischen Bürgerlichen der damaligen Zeit: einen langen, rostfarbenen oder braunen Rock, ein helles Mieder und eine weiße Schürze. Ein Hauch von lebendiger Farbe wird durch das rote Tuch gegeben, das um ihren Kopf geknotet ist, ihr Gesicht umrahmt und sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Sie trägt über ihren Schultern mit einem Joch oder einer unsichtbaren Stütze zwei glänzende und geprägte Kupfereimer, typisch für Geräte zum Wassertransport, die ein starkes Lichtelement und einen Kontrast zum dunklen Hintergrund bilden.
Eine Gruppe von Tauben (oder Täubchen) sitzt auf den Stufen zu Füßen des Mädchens, während mindestens ein Vogel, vielleicht eine Schwalbe oder ein anderer dunkler Vogel, in der oberen linken Ecke im schnellen Flug dargestellt ist. Diese Elemente im Flug stehen im Kontrast zur Statik und meditativen Haltung des Mädchens und verleihen der Erzählung Dynamik.
Der Stil zeichnet sich durch eine fast fotografische Präzision in der Wiedergabe von Details (wie Eimer und Gesicht) aus, die typisch für die akademische Ausbildung des Künstlers ist, kombiniert mit einer sonnigen und natürlichen Helligkeit (wie Kritiker feststellen), die das Gesicht und die roten Details beleuchtet, typisch für die venezianische Schule.
Antonietta Brandeis war eine der ersten Frauen, die die Akademie der Schönen Künste in Venedig besuchte. Sie war berühmt für ihre detaillierten Stadtansichten von Venedig, Rom und Florenz, aber auch für diese Genreszenen, die das Volk und den Alltag mit Zuneigung und Realismus darstellten, oft mit besonderem Augenmerk auf Licht und Farbe. "La Popolana" ist ein hervorragendes Beispiel für diese Produktion, wo das Porträt mit der Umgebungsansicht verschmilzt und einen authentischen und poetischen Einblick bietet.
Antonietta Brandeis (Miskovice 1848 – Florenz 1926)