Seltener Thonet-Barbiersessel aus der Produktion von 1870, intakt, mit Marke.
Beschreibung:
Seltener Thonet-Barbiersessel aus der Produktion von 1870, intakt. Mit Brennstempel und Kartusche.
Geschichte der prestigeträchtigen Thonet-Manufaktur.
In den Jahren um 1830 führt Thonet seine Experimente mit Furnierstreifen durch, die in kochend heißem Leim aufgeweicht werden, bevor er die “Bugholzmöbel” erfindet. Im Jahr 1842 beruft Prinz Metternich, beeindruckt von dem Talent des rheinischen Tischlers, ihn nach Wien. Hier widmet sich Michael Thonet zusammen mit seinen Söhnen der Herstellung von Parkettböden und Möbeln für das Palais Liechtenstein und das Palais Schwarzenberg. Mit der Entwicklung des Stuhls Nr. 4 für das Café Daum auf dem Wiener Kohlmarkt erobert er schnell die Wiener Kaffeehausszene und legt damit den Grundstein für die Entwicklung des Sektors der Möbel für “Gemeinschaftseinrichtungen”, d. h. für öffentliche Räume. Mit der Revolution von 1848 verlieren viele Menschen ihre Arbeit und finden eine neue Beschäftigung in den neuen Thonet-Fabriken, in denen Dampfmaschinen in Betrieb sind. Der Erfolg kommt im Jahr 1859, als das Unternehmen Gebrüder Thonet, die Söhne von Michael, den Stuhl Nr. 14 aus massivem Bugholz vorstellt, den berühmten “Wiener Stuhl”, der heute zu den Ikonen der Designgeschichte zählt. Die Gebrüder Thonet erkannten sehr bald die Notwendigkeit, neue Trends und technische Entwicklungen in ihre Arbeit zu integrieren und sich bestimmte, noch im Entstehen begriffene Ideen zu eigen zu machen. Von Anfang an präsentierten sie ihre Kreationen auf den Industrie- und Handwerksausstellungen der damaligen Zeit. Die mehrsprachigen Kataloge des Unternehmens Gebrüder Thonet trugen dazu bei, die Produkte im Ausland bekannt zu machen, wo sie schnell zu Bestsellern wurden. So entstanden Verkaufsniederlassungen in den Nachbarländern, aber auch in weiter entfernten Ländern, bis hin zum Aufbau eines weltweiten Vertriebsnetzes für Thonet-Möbel. Die Entwicklung einer innovativen Technik zum Biegen von Massivholz (mit heißem Dampf), zuerst durch das Kochen des Leims, dann durch Befeuchten mit Wasserdampf, der von einem Autoklaven erzeugt wird, um ihm dann in Metallformen die gewünschte Krümmung zu verleihen und ihn durch Trocknen in Öfen wieder zu versteifen. Dieses Verfahren wurde dann 1842 patentiert. Michael Thonet stirbt 1871 in Wien, und das Geschäft wird von seinen Söhnen weitergeführt. Die wertvollsten Original-Thonet-Möbel sind diejenigen, die in der "Handwerks- und Designphase" der Hochphase des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden. Die ersten Modelle, die um die Mitte des Jahrhunderts zunächst in Boppard, dann in Mähren hergestellt wurden, sind Referenzobjekte in der Design- und Möbelgeschichte und von musealer Bedeutung. Die Produktion im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist von bemerkenswertem künstlerischem und sammlerischem Interesse, da die Produktion noch sorgfältig, in begrenzter Stückzahl und mit einer ähnlichen Technik wie die Prototypen erfolgte. Das Österreichische Museum für angewandte Kunst in Wien und das Museum der Thonet GmbH im hessischen Frankenberg besitzen eine der umfangreichsten Sammlungen originaler Thonet-Stühle.
In Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Neuen Kodex für Kulturgüter stellt das Verkaufsunternehmen gleichzeitig mit dem Verkauf eine detaillierte schriftliche fotografische Garantie für die Originalität und Herkunft der verkauften Werke zur Verfügung. Die Daten, mit denen die Werke beschrieben werden und die dann in den schriftlichen Garantien enthalten sind, sind Ausdruck von genauen, gründlichen und dokumentierten technisch/historisch/künstlerischen Untersuchungen.