17. Jahrhundert
Martyrium des Heiligen Laurentius
Öl auf Kupfer, 38 x 28 cm
Mit Rahmen, 50 x 40 cm
Dieses Gemälde auf Kupfer aus dem 17. Jahrhundert ist ein wertvolles Zeugnis für die kritische und ikonografische Beliebtheit der Erfindungen von Tizian Vecellio, vermittelt durch die berühmte grafische Übersetzung von Cornelis Cort. Das hier dargestellte Thema des Martyriums des Heiligen Laurentius leitet sich tatsächlich nicht direkt von einem einzigen Gemälde des cadorinischen Meisters ab, sondern gibt die Komposition, die in der von Cort 1571 geschaffenen Punktstichradierung kodifiziert wurde, getreu wieder. Dieser Stich war als Synthese zweier früherer pittorischer Versionen von Tizian konzipiert worden: die erste, ausgeführt zwischen 1548 und 1557 für die Jesuitenkirche in Venedig, revolutionär für die nächtliche Kulisse, die von gespenstischen Scheinern durchbrochen wurde, und die zweite, die 1567 an König Philipp II. für das Kloster El Escorial gesandt wurde und sich durch eine größere monumentale Vereinfachung und einen stärker betonten Pathos auszeichnete. Der Autor des hier vorliegenden Kupferbildes greift die Struktur von Corts Stich getreu auf, der den Dynamismus der Henker der venezianischen Version mit der Erscheinung eines Engels aus der spanischen Version verschmolz, wobei die breiten klassischen Architekturen zugunsten einer dichten und dramatischen Rauchwolke beseitigt wurden, die den Kontrast zwischen irdischer Gewalt und himmlischer Herrlichkeit erhöht. Das Gemälde nimmt die charakteristischen Details des grafischen Modells aufmerksam auf, wie die Statue eines heidnischen Gottes auf der rechten Seite, die Philipp II. gewidmet ist, und die komplexe Gestik der Figuren, die den brennenden Rost umgeben, indem es die Strenge der Stichzeichnung in ein lebendiges malerisches Material übersetzt. Die Szene erinnert an das Martyrium des Laurentius, eines Diakons von Sixtus II., der 258 n. Chr. vom Kaiser Valerian zum Tode verurteilt wurde, weil er die Armen als den wahren „Schatz der Kirche“ präsentiert hatte, anstatt deren Reichtümer abzuliefern. Der Heilige wird auf dem brennenden Rost dargestellt, wie er mit heroischer Standhaftigkeit den Arm zum himmlischen Licht erhebt, ein Symbol für einen Glauben, der die körperliche Qual besiegt. Die Wahl des Kupfers als Träger, typisch für die Kleinformatproduktion des 17. Jahrhunderts, ermöglicht eine detaillierte Wiedergabe der Lichtreflexe und Flammen und feiert jenes venezianische „Notturno“, das durch die Verbreitung von Corts Druck zu einem unverzichtbaren Kanon für die europäische sakrale Kunst wurde.